Globale Cyber-Attacken verursachten Chaos

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Nach einem zweiten massiven Angriff mit Erpressungssoftware innerhalb von zwei Monaten kämpfen Firmen rund um den Globus mit den Folgen der Cyber-Attacke.

11.25 Uhr, 28. Juni 2017

© AP

 Zu den betroffenen Unternehmen zählen die dänische Reederei Maersk, der größte russische Ölproduzent Rosneft, der US-Pharmakonzern Merck, die französische Bahn SNCF und der Lebensmittel-Riese Mondelez (“Milka”, “Oreo”).

Besonders hart traf es Unternehmen und Behörden in der Ukraine. An der Ruine des ukrainischen Katastrophen-Atomkraftwerks Tschernobyl musste die Radioaktivität nach dem Ausfall von Windows-Computern manuell gemessen werden. Wichtige technische Systeme der Station funktionierten dort aber normal.

Die Schadsoftware verbreitete sich am Dienstag nicht nur über die Windows-Sicherheitslücke, die im Mai der Trojaner “WannaCry”, sondern fand auch einen weiteren Weg, Computer innerhalb eines Netzwerks anzustecken. Unterdessen sehen Experten Hinweise darauf, dass die Angreifer eher auf Chaos und nicht Profit aus waren.

Während Erpressungstrojaner, die Computer verschlüsseln und Lösegeld für die Freischaltung verlangen, ein eingespieltes Geschäftsmodell von Online-Kriminellen sind, war die Bezahlfunktion bei der neuen Attacke äußerst krude gestaltet. Die Angreifer verlangten zwar 300 Dollar in der Cyberwährung Bitcoin. Alles Lösegeld sollte auf ein einziges Konto gehen, die zahlenden Opfer sollten sich per E-Mail zu erkennen geben. Nachdem der E-Mail-Anbieter Posteo die genannte Adresse aus dem Verkehr zog, wurde es für die Betroffenen völlig sinnlos, Lösegeld zu zahlen. Bis Mittwochmorgen gingen nur 35 Zahlungen auf dem Bitcoin-Konto ein.

Derzeit berichten Unternehmen weltweit von einer groß angelegten Cyberattacke. Dabei kam es zu massiven Computerproblemen durch Schadsoftware. In Tschernobyl musste die Radioaktivität nach einem Computerausfall manuell gemessen werden.

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Der internationale Flughafen der Ukraine in Kiev war eines der Opfer der aktuellen Cyber-Attacke.

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Soll auch betroffen sein, die offizielle Bestätigung fehlt noch: Nivea-Produzent Beiersdorf.

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Im Visier des digitalen Großangriffs: die weltgrößte Reederei A.P. Moller-Maersk mit Sitz in Dänemark.

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Nach Auskunft von Experten verschiedener Firmen handelt es sich nun um die Erpresser-Software “Petya”. Sie setze Computer außer Gefecht, indem sie deren Festplatten verschlüssele. So auch bei der US-Pharmafirma Merck.

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Ebenfalls vom Angriff betroffen: Milka-Konzern und Lebensmittelriese Mondelez.

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Nächster Gigant als Ziel der Cyberangriffe: Russlands Öl-Riese Rosneft

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Österreichische Unternehmen sollen nicht betroffen sein. Dafür der Werberiese WPP. Dessen Konzern-Website war zeitweise nicht zu erreichen.

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Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky verzeichnete am Dienstag rund 2.000 erfolgreiche Angriffe, die meisten davon in Russland und der Ukraine, aber auch in Deutschland, Polen, Italien, Großbritannien, Frankreich und den USA. In Deutschland soll auch Hamburger Zentrale von Beiersdorf betroffen sein. Der neue Angriff breitete sich langsamer aus als der “WannaCry”-Trojaner, der binnen eines Tages hunderttausende Computer befiel – aber er zog mehr international agierende Unternehmen in Mitleidenschaft.

IT-Sicherheitsexperten waren sich unterdessen uneins, mit welcher Sofware sie es diesmal überhaupt zu tun haben. Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich um eine Version der bereits seit vergangenem Jahr bekannten Erpressungs-Software “Petya”. Kaspersky kam hingegen zu dem Schluss, es sei keine “Petya”-Variante, sondern eine neue Software, die sich nur als “Petya” tarne.

Der Trojaner habe sich zumindest zum Teil über dieselbe Sicherheitslücke in älterer Windows-Software verbreitet wie auch der im Mai für eine globale Attacke genutzte Erpressungstrojaner “WannaCry”, erklärten die IT-Sicherheitsfirma Symantec und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

In internen Netzen nutze “Petya” aber zusätzlich ein gängiges Administrationswerkzeug zur Weiterverbreitung und könne damit auch Systeme befallen, die auf aktuellem Stand seien, warnte das BSI.

Die Windows-Schwachstelle wurde ursprünglich vom US-Abhördienst NSA ausgenutzt. Hacker machten sie im vergangenen Jahr öffentlich. Es gibt zwar schon seit Monaten ein Update, das sie schließt – doch das scheinen viele Firmen noch immer nicht installiert zu haben. Betroffen waren diesmal auch Systeme mit dem aktuellen Microsoft-Betriebssystem Windows 10. “WannaCry” konnte nur bei älteren Windows-7-Rechnern zuschlagen. Mitte Mai hatte die “WannaCry”-Attacke hunderttausende Windows-Computer in mehr als 150 Ländern infiziert.

Cyberangriffe treiben Kosten langfristig nach oben

Unternehmen in Europa unterschätzen nach Ansicht des Versicherungsmarktes Lloyds of London die langfristigen Kosten von Cyberangriffen. Sie müssten sich auf einen Abgang von Kunden, fallende Aktienkurse und mögliche weitere Konsequenzen einstellen, teilte Lloyds of London am Mittwoch im Rahmen einer Studie zusammen mit den Beratern von KPMG und der Anwaltskanzlei DAC Beachcroft mit.

“Es fehlt an Verständnis dafür, was ein Cyberangriff eigentlich ist”, sagte Lloyds-Chefin Inga Beale. Lloyds of London bietet Versicherungen gegen Cyberangriffe an und hat nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent. Auch der US-Konzern AIG will in Europa vermehrt mit Cyber-Versicherungen wachsen, wie der zuständige Manager dem “Handelsblatt” sagte.

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